Schon viele haben mich im Internet gefragt: "Warum hast du bloß angefangen zu kotzen? Warum? Eine Essstörung ist doch einfach keine Lösung."

Ich weiß es nicht.
Wenn ich im Internet die vielen Geschichten von den Mädchen im Forum lese, wird mir erst bewusst, dass es kein Schlankheitswahn, kein "sich zu dick finden" in der Pubertät ist.
Jede Geschichte ist so individuell - und doch passt sie irgendwie irgendwo in ein Raster.
Viele Mädchen erlebten Schlimmes in ihrer Kindheit. Hier schließe auch ich mich an. Aber es erleben noch viel mehr junge Frauen Schreckliches: weshalb wählen gerade wir den Weg einer Essstörung?
Warum muss man böse erlebte Dinge überhaupt mit Essen - oder Nichtessen - kompensieren? Was hat eine Essstörung so Faszinierendes an sich, dass so viele tausende junge Mädchen verzweifelt diesen Weg einschlagen?
Vielleicht, weil jeder irgendein Geheimnis hütet? Sieht man es jemandem an, wenn er Depressionen hat? Sieht man es jemandem an, wenn er sich verletzt (vorausgesetzt er trägt lange Kleidung)? Sieht man es jemandem an, wenn er seine Verzweiflung in Arbeit ertränkt? Sieht man es jemandem an, wenn er psychisch verdammt leidet?
Wir entscheiden uns für die Essstörung - und in der Hälfte aller Fälle - d.h. bei der Magersucht - sieht man nach einer Weile etwas gegen Außen.
Aber warum kommt es überhaupt so weit, dass Menschen psychisch so erkranken?
Ist es eine Art Trotz, oder eine verzweifelte Art, "Nein!" zu sagen, weil man es sonst nicht kann? Ist es die eigene Art, etwas zu "verarbeiten" (man hat das Gefühl, man verarbeitet es)?
Ist es ein Racheakt? Ist es reine Selbstzerstörung? Ist es eine Art, dem eigenen Körper Grenzen zu setzen und ihn zu kontrollieren und zu bestrafen, für etwas, was jemand anders einem angetan hat?

Ich bin keine Psychologin und war - zugegeben - auch noch nie bei einer. Trotzdem interessiert mich das. Bei mir ist es übrigens Letzteres.

Warum zerstöre ich meinen Körper, um ihn zu bestrafen, für etwas, wofür ich keine Schuld trage?

Ich hoffe, ich werde diese Antwort eines Tages herausfinden. Und mit mir hunderttausende andere Mädchen auch.




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